Im Rampenlicht: Adriënne van den Hove – Helena Hart

Manchmal halte ich innerhalb eines einzigen Tages ein neues Modell in den Händen

Bei dem in Amsterdam ansässigen Modeunternehmen Helena Hart werden Kollektionen vollständig im eigenen Haus entworfen und produziert, wobei jeder Schritt des Prozesses unter einem Dach entwickelt wird. Im Mittelpunkt dieses Prozesses steht die Schnittmacherin Adriënne van den Hove. Mit mehr als vierzig Jahren Erfahrung bringt sie seltenes Fachwissen in eine Marke ein, die sich bewusst für lokale Produktion, Transparenz und handwerkliches Können als Fundament entscheidet. FashionUnited sprach mit ihr darüber, wie sie weiterhin die perfekte Passform jeder Kollektion sicherstellt.

Vierzig Jahre handwerkliches Können
Van den Hove wuchs umgeben von Handwerkskunst auf: Ihre Mutter war Schnittmacherin, und von klein auf wurde sie mit Stoffen, Nadeln und Faden vertraut. Nach ihrem Abschluss an der Modeschule begann sie ihre Karriere in der Bekleidungsindustrie, wo sie mehr als vierzig Jahre Expertise aufbaute und für renommierte niederländische Modemarken arbeitete. Vor mehr als zwei Jahren kam sie zu Helena Hart.

In einer Branche, in der die Schnitterstellung zunehmend digital erfolgt und oft aus der Ferne durchgeführt wird, repräsentiert Van den Hove eine seltene Spezialisierung. Sie sieht, dass das Handwerk in den Niederlanden immer seltener wird: Viele Modemarken lagern diese Arbeit aus, wobei digitale Größentabellen zunehmend die traditionelle Handwerkskunst ersetzen. Dieses über Jahrzehnte aufgebaute Wissen ist genau das, was Helena Hart bewusst im eigenen Haus behalten möchte.

Die Dynamik eines Familienunternehmens
Helena Hart ist seit vierzig Jahren ein Familienunternehmen. Van den Hove, die zuvor hauptsächlich in Konzernstrukturen tätig war, schätzt dieses Umfeld. „Wir sind ein kleines Team, was bedeutet, dass wir oft schnell umschalten und direkt kommunizieren können. Früher durchliefen Entscheidungen mehrere Abteilungen. Hier sind die Wege extrem kurz. Es herrscht ein sofortiges Verständnis zwischen allen Beteiligten.“

Sie arbeitet eng mit der hauseigenen Designerin zusammen und setzt gemeinsam eine erste Skizze in ein fertiges Kleidungsstück um. „Wir arbeiten sehr eng zusammen. Hier gibt es eine Nähmaschine. Wenn wir also eine Idee haben, können wir sofort ein Stück Stoff zuschneiden und an Ort und Stelle ein Muster erstellen. Man versteht sofort, was jemand meint, wenn man eine Idee mit nur einer Person gemeinsam besprechen und entwickeln kann.“

Diese Offenheit erstreckt sich auch auf die Kunden. Helena Hart macht den Produktionsprozess bewusst transparent und sichtbar. „Die Kunden wissen, dass wir diesen gesamten Prozess im eigenen Haus steuern“, sagt Van den Hove. Besucher des Showrooms werden in den Arbeitsbereich geführt, wo sie sehen können, wie die Kollektion entsteht.

Von der ersten Skizze bis zum fertigen Schnittmuster
Van den Hove erklärt, dass der Entwicklungsprozess entweder mit einem bestehenden Grundschnitt oder einem völlig neuen, handgezeichneten Entwurf beginnt. Nach der Weiterentwicklung des Schnittmusters im CAD/CAM-System und der Festlegung der Stoffbreite geht es direkt zum Zuschneider und zu einem der in Amsterdam ansässigen Produktionspartner von Helena Hart. Diese Ateliers arbeiten bereits seit Jahrzehnten eng mit Helena Hart zusammen. Diese lokale Zusammenarbeit führt zu einem spürbaren Geschwindigkeitsvorteil. „Durch die schnelle Kommunikation und die lokale Produktion habe ich manchmal innerhalb eines einzigen Tages ein neues Modell in den Händen“, so Van den Hove.

Dank der langjährigen Partnerschaften benötigen beide Parteien oft nur wenige Worte, um einander zu verstehen. Van den Hove kommuniziert direkt mit dem Atelier: „Wir müssen keine umfangreichen technischen Zeichnungen anfertigen.“ Wenn während des Prozesses etwas geklärt werden muss, kann sie sofort nachjustieren, selbst wenn die Produktion bereits begonnen hat.

Den Unterschied zur Produktion in Übersee bemerkt sie täglich. „Wenn die Produktion weit weg ist, muss man alles bis ins kleinste Detail auf dem Papier erklären. Jetzt kann ich einfach hinfahren.“ Sie fasst die Zusammenarbeit selbst zusammen: „Gemeinsam ein Kleidungsstück von Anfang bis Ende kreieren – mit einem kleinen Team und lokaler Produktion. Vom ersten Schnittmuster bis zum fertigen Produkt.“

Passform als tägliches Handwerk
Die Qualität der Passform steht bei Helena Hart im Mittelpunkt. Van den Hove arbeitet ausgehend von einer Standard-Basisgröße und prüft persönlich auch die größeren Größen. Fast täglich finden Anproben statt, bei denen Models kommen und die Kleidungsstücke sofort getestet werden. „Manchmal fällt ein Stoff anders als erwartet oder fühlt sich weniger angenehm an als gedacht. Daran arbeite ich jeden Tag: Wie können wir es verbessern und wie können wir die Art und Weise optimieren, wie sich der Stoff im Schnittmuster bewegt?“

Die Kombination aus Stretch-Stoffen und fachmännisch geschnittenen Mustern ist entscheidend. Eine Größentabelle oder eine digitale Richtlinie allein reicht nicht aus; es ist echtes handwerkliches Können gefragt. „Schnittgestaltung mit den richtigen Formen und Proportionen ist ein Beruf für sich“, sagt Van den Hove. Sie betont, dass sie selbst ständig dazulernt: „Ich schaue mir sogar Schnittmuster an, die ich vor dreißig Jahren erstellt habe. Im Laufe der Jahre entdeckt man, dass man ein Schnittmuster auf verschiedene Arten angehen kann.“

Komfort in Passform und Pflege
Wenn es ein Kleidungsstück gibt, das für Van den Hove die vierzigjährige Marken-DNA von Helena Hart und modernes Handwerk repräsentiert, dann ist es der kürzlich eingeführte Oversized-Blazer. Sie hat das Schnittmuster komplett von Grund auf neu entworfen. „Bei diesem Blazer kommt alles zusammen. Man nimmt ihn vom Bügel, zieht ihn an und kann direkt so losgehen.“ Er steht genau für den Komfort, für den Helena Hart bekannt ist. Für Van den Hove bedeutet Komfort nicht nur, wie sich ein Kleidungsstück beim Tragen anfühlt, sondern auch die Leichtigkeit, die mit dem Besitz einhergeht. „Man wäscht es, hängt es auf und am nächsten Tag kann man es wieder tragen. Dieser praktische Komfort ist wirklich Teil der Definition von Bequemlichkeit bei Helena Hart.“

Indem das Familienunternehmen seiner Philosophie der lokalen Produktion und des bewussten, kontrollierten Wachstums treu bleibt, beweist es seit vierzig Jahren, wie leistungsfähig niederländisches Handwerk sein kann. Es ist eine Arbeitsweise, mit der sich Van den Hove voll und ganz identifiziert: „Ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich hier arbeiten und mein Wissen mit dem Team teilen darf.“

www.helenahart.nl