Sich erneut in Modefabriek verlieben
Manche Lieben verschwinden nie wirklich. Für Rick van Rijthoven gilt das ganz besonders für Modefabriek. Fast dreißig Jahre, nachdem er die Plattform mit aufgebaut hat, steht er nun wieder am Ruder. Nicht getrieben von Nostalgie, sondern mit einem frischen Blick und vor allem mit einem erneuerten Gestaltungswillen. Um ein neues Kapitel für Modefabriek zu schreiben, neue Initiativen zu entwickeln und die Branche stärker miteinander zu verbinden.
Vom Samstagsjob zur eigenen Modemarke
Ricks Einstieg in die Modebranche begann Ende der 1980er-Jahre. Samstags arbeitete er bei Alessandro Caselli, einem angesagten Herrenmodegeschäft in Amstelveen, das von vielen niederländischen Prominenten besucht wurde. Sofort fühlte er sich von der Welt der Mode, des Stils und der Menschen, die sie umgaben, angezogen. Nach der Schule trat Rick bei Mac&Maggie ein, wo er Lucel van den Hoeven kennenlernte. Aus ihrer Freundschaft entwickelte sich eine langjährige geschäftliche Partnerschaft, und 1995 gründeten sie ihre eigene Modemarke, DNA.
Diese Zeit sollte sich als entscheidend für den weiteren Verlauf seiner Karriere erweisen. „Mit DNA habe ich wirklich gelernt, wie die Modebranche in der Praxis funktioniert. Man arbeitet nicht nur an einer Kollektion. Man baut eine Marke auf, konzentriert sich auf den Verkauf, arbeitet mit dem Einzelhandel zusammen und reagiert auf Veränderungen im Markt.“ Unternehmertum lag Rick. Chancen erkennen, neue Konzepte entwickeln und Menschen zusammenbringen – das zieht sich als roter Faden durch seine gesamte Laufbahn. „Vor allem habe ich gelernt, dass man nicht darauf warten sollte, dass jemand anderes die Dinge verändert. Wenn man eine Chance sieht, kann man selbst die Initiative ergreifen.“

Eine Fachmesse, die es anders machen wollte
Die Idee für Modefabriek entstand 1996 aus DNA heraus. Rick und Lucel suchten nach einer innovativeren Art, ihre eigene Marke zu präsentieren, und sahen gleichzeitig die Möglichkeit, der bestehenden Modemessenlandschaft etwas Neues hinzuzufügen. Was fast als Scherz begann, wurde schnell zu einem ernsthaften Projekt. Die erste Ausgabe fand in der Westergasfabriek in Amsterdam statt. Sie entschieden sich bewusst für eine industrielle Location, führten ein einheitliches Standdesign ein und arbeiteten mit einem Auswahlkomitee. Jede Marke erhielt die gleiche Grundlage, sodass die Kollektionen und individuellen Markenidentitäten im Mittelpunkt standen.
„Wir wollten einfach etwas schaffen, an das wir selbst glaubten. Damals hätten wir niemals vorhersehen können, welche Wirkung Modefabriek einmal haben würde.“
Zurück am Ruder
Modefabriek ist über all die Jahre ein wichtiger Teil in Ricks Leben geblieben. Er hat miterlebt, wie die Plattform entstand, wuchs und sich weiterentwickelte. Seit März 2026 ist er Mitinhaber und Geschäftsführer der Modefabriek B.V. und verantwortlich für das operative Tagesgeschäft. Gemeinsam mit Lucel sah er die Chance, auf dem bereits bestehenden starken Fundament aufzubauen und zugleich ein neues Kapitel einzuläuten.
Rick schöpft viel Energie aus dem Team um ihn herum. Junge Talente bringen frische Ideen und neue Perspektiven ein – etwas, das er als eine der größten Stärken von Modefabriek betrachtet. „Es geht nicht darum, alles selbst zu entwickeln. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem gute Ideen entstehen können, und den Menschen die Freiheit zu geben, diese Ideen tatsächlich umzusetzen.“
Wieder wie ein Start-up denken
In den vergangenen dreißig Jahren hat sich die Modebranche dramatisch verändert. Digitalisierung, das Internet und soziale Medien haben nicht nur die Art, wie Verbraucher einkaufen, grundlegend verändert, sondern auch die Art, wie Marken und Einzelhändler Geschäfte machen. Für Rick gibt es dabei eine klare Erkenntnis: Man kann sich nicht weiter darauf verlassen, was in der Vergangenheit funktioniert hat. „Wir gehen Modefabriek wieder an, als wäre es ein Start-up. Was wollen wir sein? Für wen sind wir da? Und welchen Mehrwert können wir bieten? Erfahrung ist etwas, das man schätzen sollte, aber sie darf einen niemals zurückhalten.“
Dieser Innovationsdrang zeigt sich auch bei SHIFT, Denim Days und CHAPTER, die jeweils einen eigenen unverwechselbaren Charakter und eine eigene Zielgruppe haben. SHIFT richtet sich an ein jüngeres, urbanes und streetwear-orientiertes Publikum, während CHAPTER als eigenständige B2B-Plattform in Deutschland entwickelt wird, die sich um sorgfältig ausgewählte Marken, Qualität und bedeutungsvolle Verbindungen zum Einzelhandel dreht. Die erste Ausgabe von CHAPTER ist für Februar 2027 geplant. Es ist ein neues Abenteuer, bei dem Rick jedoch auf alles zurückgreifen kann, was er in den vergangenen Jahrzehnten gelernt hat.
Meet. Match. Make.
Auch Modefabriek selbst tritt in eine neue Ära ein, mit einer erneuerten Positionierung und Identität. Und laut Rick geht das weit über die Einführung eines neuen Logos oder einer neuen visuellen Identität hinaus. Mode bleibt das Herzstück von Modefabriek, während die Plattform zunehmend Verbindungen zu Bereichen wie Lifestyle, Design und Kultur suchen wird. Nicht, indem einfach mehr Kategorien hinzugefügt werden, sondern indem ein Umfeld geschaffen wird, in dem sich unterschiedliche Marken, Ideen und Disziplinen gegenseitig verstärken. Diese Philosophie ist in drei Worten zusammengefasst: Meet. Match. Make.
Meet steht dafür, Menschen zusammenzubringen. Match steht dafür, die richtigen Verbindungen zu finden. Und Make steht für alles, was aus diesen Verbindungen entstehen kann, von neuen Ideen und Kooperationen bis hin zu konkreten geschäftlichen Chancen. Und was unverändert bleiben muss? Die Neugier, die Modefabriek einst ins Leben gerufen hat.
Die Kraft der persönlichen Begegnung
Obwohl sich ein Großteil der Modebranche ins Digitale verlagert hat, hegt Rick keine Zweifel an der Zukunft physischer Veranstaltungen. „Online findet man eine enorme Menge an Informationen. Aber eine Kollektion live zu sehen, die Materialien anzufassen und persönlich mit einer Marke zu sprechen, bleibt etwas Besonderes. Genau diese unerwarteten Entdeckungen machen eine Fachmesse so wertvoll.“
Das bedeutet jedoch nicht, dass Fachmessen einfach so bleiben können, wie sie immer waren. Ein Besuch muss effizient sein, für die tägliche Realität des Einzelhandels relevant sein und reichlich Inspiration bieten. Digitale und physische Erlebnisse sind keine Gegensätze. Im Gegenteil, sie können einander stärken. Deshalb will Modefabriek auch zwischen den großen Messemomenten durch kleinere Zusammenkünfte, Content und relevante Veranstaltungen sichtbarer werden.
Der Einzelhändler von morgen braucht eine unverwechselbare Identität
Eine Entwicklung, die Rick besonders interessant findet, ist die wachsende Bedeutung einer klaren und unverwechselbaren Identität für den Einzelhandel. „Ein Geschäft muss mehr sein als nur ein Ort, an dem Produkte verkauft werden. Verbraucher suchen eine Geschichte, einen Stil und ein Gefühl, mit dem sie sich identifizieren können.“ Gleichzeitig beobachtet er, wie die Grenzen zwischen Mode, Lifestyle, Interieur, Design und Kultur zunehmend verschwimmen. Für Rick entstehen dadurch spannende Möglichkeiten: für Marken, ihre Geschichten noch kraftvoller zu erzählen, und für den Einzelhandel, seine Kunden auf neue Weise zu inspirieren. Modefabriek möchte bei dieser Entwicklung eine verbindende Rolle spielen, indem Marken mehr Sichtbarkeit verschafft wird und der Einzelhandel die Möglichkeit erhält, frische Ideen zu entdecken.
Gemeinsam stärker
Diese verbindende Rolle steht auch im Mittelpunkt möglicher Kooperationen mit Organisationen wie EK Retail. Sie kennen ihre Einzelhändler und verstehen die kommerziellen Herausforderungen, mit denen diese konfrontiert sind. Modefabriek wiederum bringt Marken, Wissen, Inspiration und ein umfangreiches Netzwerk zusammen. Rick ist überzeugt, dass sich dadurch Möglichkeiten ergeben, den Einzelhandel besser auf einen Messebesuch vorzubereiten, relevante Veranstaltungen zu organisieren und das ganze Jahr über Wissen zu teilen.
„Die Zeit der Einzelhändler ist begrenzt, daher müssen wir sicherstellen, dass ein Besuch tatsächlich einen Mehrwert bietet. Niemand hat alle Antworten. Gerade durch Zusammenarbeit kann man wirklich etwas in Bewegung bringen.“ Modefabriek wirft daher auch einen kritischen Blick auf den Inhalt und das Gesamterlebnis der Veranstaltung. Herrenmode kehrt zurück, es wird mehr Raum für relevante Lifestyle- und Designeinflüsse geben, und der Gastfreundschaft wird mehr Gewicht beigemessen. Das Ziel ist klar: Besucher sollen neue Marken entdecken, wertvolle Gespräche führen und mit frischen Ideen nach Hause zurückkehren. Aussteller wiederum sollen ihre Marken wirkungsvoll präsentieren, bestehende Beziehungen stärken und neue Kontakte knüpfen können.
Sich erneut verlieben
Und dann ist da noch der Titel: Sich erneut in Modefabriek verlieben. Interessanterweise hat diese erneuerte Liebe für Rick wenig mit einem Blick zurück zu tun. „Für mich geht es nicht um Nostalgie. Es geht um die Möglichkeiten, die ich wieder sehe. Ich kenne Modefabriek in- und auswendig, aber gleichzeitig betrachte ich es mit frischen Augen.“
Es gibt neue Ideen zu entdecken, neue Kooperationen aufzubauen und neue Chancen zu ergreifen. Vielleicht am wichtigsten: Es gibt eine erneuerte Energie zum Gestalten. Die Ambition für die nächsten fünf Jahre ist entsprechend groß. Rick möchte, dass Modefabriek eine starke, erkennbare und zukunftssichere Plattform wird, die nicht nur während der physischen Fachmesse, sondern das ganze Jahr über für Marken und den Einzelhandel relevant bleibt. Gleichzeitig möchte er weiterhin Raum schaffen für junge Talente, neue Konzepte und unterschiedliche Arbeitsweisen.
„Wenn wir in fünf Jahren sagen können, dass unsere Plattformen relevant geblieben sind, dass wir der Branche das ganze Jahr über etwas Wertvolles bieten konnten und dass wir Menschen und Organisationen einander nähergebracht haben, bin ich zufrieden.“ Denn letztlich geht es für Rick nicht nur um Fachmessen, Marken oder Konzepte. Es geht um die Menschen, die sie gemeinsam zum Leben erwecken.
